Auf das Theaterstück "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth (mehr dazu im Kommentar) folgt eine leidenschaftliche Diskussion, die sich über einen Zeitraum von einigen Jahren erstreckt und nicht nur unter Historikern, sondern in der breiten Öffentlichkeit ausgetragen wird.
Bereits hier bilden sich die beiden Lager, die bis heute bestehen und formelhaft als „die Kritiker“ und „die Verteidiger“ Pius’ XII. benannt werden. Neben vielen anerkennenden Beiträgen erntet "Der Stellvertreter" auch deutliche Kritik. Die historische Glaubwürdigkeit des Stückes wird von Anfang an in Zweifel gezogen, das Bild, das Hochhuth von der Person Pius’ XII. zeichnet, wird zurückgewiesen. Nahezu jeder Beitrag, der Pius XII. verteidigt, betont die tatsächlich geleistete Hilfe durch die katholische Kirche, wobei mehr oder weniger durchgängig auch das persönliche Engagement des Papstes zur Sprache kommt.
Ein zentraler Streitpunkt in der Debatte ist die Mutmaßung darüber, was im Falle eines öffentlichen päpstlichen Protestes geschehen wäre. Hätten die Nazis die Verfolgungen verringert oder verschärft? Wären die umfangreichen Hilfsmaßnahmen der Kirche dadurch gefährdet worden? Hätte ein Protest die deutschen Katholiken vor die Alternative gezwungen, sich gegen die Kirche oder gegen den Staat zu entscheiden und wie hätte sich die Mehrheit verhalten?
Ebenso wird die moralische Pflicht des Papstes diskutiert, die Hochhuth ausdrücklich eingefordert hatte. Hätte er ohne Wenn und Aber protestieren müssen, oder war es seine Pflicht, auch die möglichen (positiven wie negativen) Folgen eines Protestes zu bedenken?
All diese Fragen werden in der Hochhuthdebatte und darüber hinaus bis heute diskutiert. Raddatz bietet eine gute Übersicht über die erste Phase der Debatte (mehr dazu im Kommentar).
© 2005