Die Debatte um das Phänomen "Pius XII. und der Holocaust" ist seit ihrer Eröffnung durch Rolf Hochhuths "Der Stellvertreter" im Jahr 1963 bis heute nicht zur Ruhe gekommen. Dabei sind jedoch Phasen verschiedener Intensität der Auseinandersetzung festzustellen. Nachdem die Aufführung des "Stellvertreters" zunächst für eine unübersehbare Flut an Beiträgen gesorgt hatte (sog. Hochhuthdebatte), setzte eine Zeit der wissenschaftlichen Konsolidierung ein. Erstaunlicherweise ist seit Mitte der 90er Jahre wieder eine deutliche Steigerung festzustellen. Nicht nur die Anzahl der Beiträge schnellt in die Höhe, sondern auch die Schärfe und Polemik der Auseinandersetzung nimmt zu. Dieser Trend hält bis heute an.
Dabei stehen stets die selben Fragen im Vordergrund:
Wie hat Pius XII. auf den Holocaust reagiert?
Warum hat er so reagiert?
War sein Handeln angesichts der Schwere der Verbrechen und angesichts des hohen moralischen Anspruches des päpstlichen Amtes gerechtfertigt?
Während bezüglich der ersten Frage unter den Forschern weitgehend Konsens herrscht, erregen die anderen Fragen weiterhin die Gemüter. Vielleicht sind nie endgültige Antworten möglich. Die Flucht in die Spekulation, wie sie einige Autoren unternehmen, ist zwar reizvoll, jedoch wenig hilfreich. Die Frage, wie Hitler auf einen lautstarken päpstlichen Protest reagiert hätte, lässt sich nicht sicher klären.
© 2005